Berge und Heilung
Berge und Heilung
Heilung durch Berge
Eine Inspiration von Tilman Münster
Heilung durch Berge
Eine Inspiration von Tilman Münster
Schönheit
Ein Berg ist für mich ein Symbol, ein Symbol für Schönheit, für seine Energie, für seine Wucht und Kraft, für seine Heilfähigkeit. Dieses Symbol hole ich mir jeden Tag zu mir, ein immerwährendes Glücksgefühl und permanente Dankbarkeit. Er zeigt mir seinen guten richtigen Platz und seine gute Erdung und Anbindung. Er steht für mein Dasein, mein Seins-Gefühl im Hier und Jetzt, mein Gewahrsein.
Erlebnis
Ein Berg ist ein ganzheitliches Erlebnis. Er kann viele Rollen haben: Lehrer, Heiler, Sportplatz, Spielplatz… Ab und zu schickt er zur Reinigung sogar Steinschlag und Lawinen. Er ist mächtig und stark, er gibt Heimat für viele Lebewesen, er schenkt Menschen viele Erlebnisse und Erkenntnisse, ja sogar Wissen.
Er beherbergt ein Naturwesen, dass den Menschen auch Rat geben will. Er gibt Weitsicht und neue Perspektiven. Er ist an seinem richtigen Platz.
Achtsamkeit
Mehr und mehr dürfen wir verstehen, dass Berg- und Achtsamkeitswanderungen ein Bild sind für den Weg als Mensch.
Zum Leben gehören Gipfelerlebnisse und Talsohlen, beschwerliche Aufstiege und wehmütige Abstiege. Gemeinschaft beim Wandern schafft Vertrauen und Sicherheit.Wenn ich alleine wandere, werde ich mit mir selbst konfrontiert und habe die Chance, mich mit mir selbst auszusöhnen und meine Grenzen zu akzeptieren.
Ziele
Wir können uns ganz dem Gehen überlassen, dem Schauen und unseren inneren Gesprächen. Wenn wir uns beim Bergwandern ein Ziel setzen, so erzeugen wir eine gesunde wohltuende Spannung. Permanente Unterforderung erzeugt oft ein Gefühl der Sinnlosigkeit in unserem Leben. Ziellosigkeit verhindert, dass wir unsere Kräfte wirklich entfalten können, die in uns stecken. Ohne festes Ziel zu wandern, erzeugt in uns keine Energie. Ziele sollten unserem Wesen entsprechen, wir sollten in uns hineinhorchen, wohin wir uns entwickeln wollen. Zu hohe Ziele werden uns abstürzen lassen.
Lebens-Wanderung
Unsere (Lebens-)Wanderung teilen wir am besten in Etappen ein.
Eine Bergtour will geplant sein, das Wetter ist in der Aufmerksamkeit, langsam laufen, einlaufen und Pausen zwischendurch sind ratsam. Wer langsam geht, geht lang und sicher. Sollte es ein Zögern beim Aufbruch geben, machen wir uns bewusst, dass Leben sich entscheiden bedeutet. Wir gestalten unsere Lebensgeschichte durch die Entscheidungen, die wir treffen. Beim Wandern ist Rhythmus wichtig und dieser braucht eine gewisse Langsamkeit.
Disziplin
Das Schritt-für-Schritt-Gehen. Wandern bedarf der Disziplin und es ist entscheidend, dass ich mein Leben unter die Füße und in die Hand nehme. Diese Art von Selbstüberwindung tut uns gut. Wer zu schnell aufgibt, der kommt nicht weiter auf seinem inneren, seinem beruflichen und seinem privaten Weg.
Nach einigen Minuten auf unserer Wanderung nehmen wir uns Zeit, innezuhalten. Wir machen Halt, um nach innen zu gehen und im Inneren Halt zu finden. Solche Momente des Einsseins verleihen neue Kraft.
Innehalten
Wenn wir ganz bei uns sind, werden wir offen, die Natur und unseren bisherigen Weg zu sehen. Wir schauen die Landschaft an. Wir vergewissern uns, wo wir geradestehen.Das Innehalten lädt dazu ein, die sich darbietende Schönheit zu genießen. Innehalten meint, dass wir unseren Kopf heben und uns aufrecht in die Natur stellen. Dann können wir aufatmen und unsere innere Freiheit genießen.
Ora et labora
Auch eine Rast mit unserem Proviant ist wichtig. Wie in unserem Leben die gute Balance zwischen Rasten und Wandern, Ruhe und Arbeit.Interessant ist auch der benediktinische Rhythmus ora et labora – beten und arbeiten. Wer nur betet, kreist um sich selbst. Wer nur arbeitet, beutet sich aus und läuft oft genug vor sich selbst davon.
Quelle
Wenn wir an einer Quelle vorbeikommen, können wir etwas Heiliges und Unberührtes erleben. Sie erfrischt uns und verbindet uns mit der Göttlichkeit in uns und um uns herum. Wir dürfen darauf vertrauen, dass unsere innere Quelle unerschöpflich ist, weil sie göttlich ist. Für viele Menschen ist die Stille die Berührung mit der inneren Quelle. Sie schöpfen aus ihr, weil sie in ihnen ist. Sie hören auf ihr Herz, was für sie stimmig ist, und gehen ihren Weg aufrecht und in innerer Leichtigkeit.
Schritte
Schritt für Schritt gehen wir weiter. Ein Sich-frei-Gehen des eigenen Egos und ein Freilaufen von Kummer und Sorgen. Wir werden frei und gelassen – wir überlassen uns dem inneren Weg hinein in unsere innere Gestalt, die wir von unserem Schöpfer her sind.Wir laufen auf unserem eigenen Wandlungsweg in der Geduld, einfach nur den nächsten Schritt zu sehen und zu fühlen. Über das Gefühl spricht das Göttliche zu uns.
Lebensweg
Die Gegenwart mit ihren immer neuen Herausforderungen stellt mir die Frage: Was will mein Schöpfer von mir? Stimmt unser Lebensweg oder sollen wir andere Schwerpunkte setzen? In einen Weg, der in die individuell stimmige Lebendigkeit, Freiheit, Frieden und Liebe hineinführt.
Manchmal ist auch eine Umkehr notwendig. Die Bergwanderer, die alt werden wollen, kennen ihre Grenzen, Tagesform, Risikoeinschätzung und akzeptieren sie.
Licht
Viele Gipfel tragen ein Kreuz. Es ist ein Siegeszeichen. Die Liebe unseres Schöpfers steht über allem. Alles Leid und Hass in dieser Welt sind überwunden. Eigene Momente unserer Lebensbiografie, wo wir uns frei und weit gefühlt haben, kommen in unsere Aufmerksamkeit.Wir werden ganz klar und erwachen zur reinen Bewusstheit. Unser wahres Sein leuchtet auf ohne Verstellung oder Verdunkelung. Unser Schöpfer zeigt sich hier in seinem ganzen Wesen als reines Licht und als reine Liebe.
Sanftmut
In dieser Verklärung unserer Wahrnehmung schauen wir mit neuen Augen in die Weite der Landschaft. Wir werden vom Licht unseres Schöpfers erfüllt, dass auf dem Berg oft eine eigenartige Färbung annimmt.Unser Herz wird klar und wir werden gütig, achtsam, sanftmütig und milde gestimmt. Ein Gipfel ist mehr als ein Erfolgserlebnis, für das ich bewundert werden will.
Abstieg
Auch unser Abstieg sollte in Etappen mit Innehalten und Erfrischungen erfolgen. Wir können nicht immer nur aufsteigen. Die Last und die Eintönigkeit unseres Alltags fühlen wir deutlicher als vorher und es gilt, diese in Geduld zu ertragen. Kein Grund zur Resignation – wir söhnen uns damit aus, dass wir jetzt wieder ins Tal gehen. Mit einer neuen Perspektive und mit einem anderen Standpunkt. Auch im Tal lässt es sich gut leben. Der Sinn des Lebens ist der, dem ich ihm gebe. Die Talsohle steht für den Grund unserer Seele, die wir in der Stille jederzeit besuchen können. Unseren Raum der Liebe und Milde, der unsere Heimat ist.
Quelle:
Von Gipfeln und Tälern des Lebens
Verfasser:
Anselm Grün & Tilman Münster